Wir Fechter trauern um Hannes Hradez!

Am 15. Juni 2021 ist im Alter von 85 Jahren Hannes Hradez von uns gegangen, der als Sektionsleiter mehr als ein halbes Jahrhundert lang die Geschicke des Fechtsports im Wiener Sport-Club bestimmte.

Seine erste sportliche Liebe gehörte eigentlich dem Basketball, dabei brachte er es immerhin zum Spieler in der höchsten Spielklasse Österreichs. Erst durch Vermittlung seines Onkels, des legendären Fechtmeisters Willy Krysta, schloss sich Hannes mit Anfang 20 der Fechtsektion des WSC an. Als solchermaßen „Spätberufener“ konnte er noch immer ein bemerkenswertes fechterisches Niveau erreichen, wenn es auch für die ganz großen Erfolge kein rechtzeitiger Beginn der Laufbahn mehr war. Immerhin stehen zwei Bronzemedaillen bei Österreichischen Staatsmeisterschaften zu Buche, 1957 in der Mannschaft und 1969 im Einzel.

Seine große Stunde für den Verein schlug aber 23.02.1962, als er im für Funktionäre noch jungen Alter von 26 Jahren zum Sektionsleiter der Fechtsektion berufen wurde, eine Position, die er bis 2016 mit ganzem Herzen ausfüllen sollte. Schon bald nach seinem Antritt durfte der Verein 1963 mit dem Weltmeistertitel im Degenfechten durch Roland Losert einen vorher wie nachher unerreichten sportlichen Höhepunkt erleben. Roland wurde auch zu mehreren Olympischen Spielen entsandt, zu jenen in München 1972 sogar gemeinsam mit zwei weiteren WSC Fechterinnen, nämlich Waltraud Repa-Peck und Hannelore Hradez, der Ehefrau des lieben Verstorbenen. Waltraud holte in diesen Jahren auch fünf Staatsmeistertitel im Damenflorett Einzel, Hannelore steuerte derer zwei weitere hinzu und gemeinsam bildeten sie den Kern jener Damenflorettmannschaft, die ab 1967 vier Staatsmeistertitel und einen fünften Platz im Europacup in Turin erringen konnte.

Ende der Siebzigerjahre leitete Hannes gemeinsam mit Trainer Fritz Herold mit der Entscheidung sich ganz auf den Säbelfechtsport zu konzentrieren eine große sportliche Wende in der Sektion ein. Diese Strategie war der Erkenntnis geschuldet, dass für einen eher kleinen Verein, der noch dazu mit der Sportclubhalle in der Rötzergasse seine feste Heimstätte verloren hatte, eine Nischenstrategie, der beste Weg zum sportlichen Erfolg sein würde. Untermauert wurde dieser Ansatz noch dadurch, dass Hannes immer wieder internationale Spitzentrainer wie den Polen Adam Kiss-Orsky und die Ungarn Peter Fröhlich und Pal Gerevich für die Arbeit im Verein gewinnen konnte. Diese Strategie erwies sich als überaus erfolgreich: Die Mannschaft des WSC konnte in den folgenden Jahren 12 Staatsmeistertitel erringen, dazu kamen noch fünf Titel im Einzel durch seinen Sohn Hannes Hradez jun., je zwei Titel durch Ivo Volf und Stefan Rathausky und letztlich war auch der 2018 erzielte Staatsmeistertitel durch Lukas Galli noch Frucht dieses strategischen Ansatzes.

Doch auch im Gesamtverein erfüllte Hannes Hradez seine Funktionärspflichten: 2003, in einer der schwierigsten Zweiten des Wiener Sportclubs, folgte er den Ruf an die Spitze des Vereins und stand ihm bis 2015 als Präsident vor. Vorangegangen waren dem mehrmalige, durch die Fußballsektion verursachte, finanzielle Schwierigkeiten bis hin zu zwei Insolvenzen, und der damit verbundene Austritt der Tischtennissektion und des sportlichen Fußballbetriebs in eigene Vereine. Wenn es auch anderen vorbehalten blieb, erfolgreich die finanziellen Konsequenzen dieses Debakels wieder in den Griff zu bekommen, so war es doch die in Hannes personifizierte Treue der Fechtsektion zum Sportclub die dazu führte, dass es mit ihr in dieser schwierigen Zeit wenigstens noch eine aktive Sportsektion im Verein gab. Damit war die Basis für die darauffolgende „Wiedergeburt“ gelegt, mittlerweile gehen im Club wieder hunderte Aktive in neun Sektionen ihrem Sport nach. Nach seiner aktiven Präsidentschaft ernannte der WSC Hannes zu seinem Ehrenpräsidenten.

Besonders verdient als Funktionär und Betreuer machte sich Hannes auch für den Österreichischen Fechtverband. Er unterstützte Generationen von jungen Fechterinnen und Fechtern bei Ihren internationalen Turnieren, bis hin zu den Olympischen Spielen in Montreal 1976. Besondere Anerkennung für diese seine Leistungen erfuhr er durch die Verleihung des Goldenen Verdienstzeichens der Republik Österreich.

Zum Schluss bleibt uns nur noch einmal herzlichen Dank zu sagen für die großartigen Dinge die Hannes im Verein geleistet hat. Ihre Wirkung wird noch lange spürbar sein, sein Geist wird diese Sektion noch lange durchdringen!